Türchen 19 – Komm ich erzähle dir eine Geschichte

Heute möchte ich euch einen leinen Ausblick in ein wunderbares Buch geben. Ein Buch voller wunderbarer Geschichten, die sich auch dazu eignen sie zusammen zu lesen oder sie der Familie am Weihnachtsabend vorzulesen. Ich spreche von „Komm
ich erzähle dir eine Geschichte“ von Jorge Bucay. Bei mir gibt es deshalb als Geschenk dieses kleine Buch und eine selbst bemalte Tasse aus dem Keramikmalstudio. (Gut das die Beschenkte kein Internet hat 😉 )Einen kleinen Ausblick gebe ich euch hier. Die etwas gekürzte Fassung von meiner Lieblingsgeschichte. Ich hoffe sie macht euch soviel Freude wie mir.

 

Vom Wert des Rings

„Meister, ich bin zu dir gekommen, weil ich mich so wertlos fühle.
Meister, alles was ich anstelle, mache ich falsch, ich bin so ungeschickt.
Meister, was kann ich tun, damit die Leute eine höhere Meinung von mir haben?“

Der weise Alte sieht ihn gar nicht an, er ist sehr beschäftigt und scheinbar mürrisch meint er, dass er selbst Hilfe bei einem Problem braucht und bevor das Problem nicht gelöst ist, könne er dem jungen Mann nicht helfen.

Der Lehrling erklärt sich bereit dem Meister zu helfen und so sagt der Alte zu ihm: „Ich habe hier einen Ring, den muss ich verkaufen. Ich habe bei jemandem eine Schuld zu begleichen und dieser Ring soll dazu dienen. Nimm also bitte mein Pferd aus dem Stall und reite auf den Markt und verkaufe für mich diesen Ring. Aber gib acht, dass du ihn nicht für weniger als ein Goldstück verkaufst. Das ist der Preis, den ich brauche.“

Der junge Mann reitet los und bietet den Ring auf dem Markt verschiedenen Händlern an. Manche scheinen interessiert, aber keiner ist bereit, den Preis von einem Goldstück zu bezahlen. Einige lachen, als sie davon hören. Andere wenden sich einfach ab. Ein dritter bietet ihm ein Silberstück – ein Golstück sei viel zu viel Wert um es gegen einen alten Ring einzutauschen. Dem Jungen gelingt es nicht, den Ring zu verkaufen also kehrt er enttäuscht zurück.

„Meister, es tut mir leid. Das, worum du mich gebeten hast, kann ich unmöglich leisten. Vielleicht hätte ich zwei oder drei Silberlinge für den Ring bekommen können. Es ist mir jedoch nicht gelungen, jemanden über den wahren Wert des Ringes hinwegzutäuschen.“ „Was du sagst, ist sehr wichtig, mein junger Freund“, antworte der Meister mit einem Lächeln. „wir müssen zuerst den wahren Wert des Rings in Erfahrung bringen. Steig wieder auf das Pferd und reite noch einmal in die Stadt. Aber nicht auf den Markt, sondern zum Goldschmied. Wer könnte den wahren Wert des Ringes besser einschätzen als er? Sag ihm, dass ich den Ring verkaufen möchte und frag ihn, wieviel er dir dafür geben möchte. Aber was immer er dir auch bietet: Du verkaufst ihn noch nicht. Kehr erst mit dem Ring zu mir zurück.“

Der Junge machte sich also erneut auf den Weg. Der Goldschmied antwortet dem Jungen nach gründlicher Prüfung des Rings: „Mein Junge, richte deinem Herrn aus, wenn er ihn gleich verkaufen will, kann ich ihm nicht mehr als 58 Goldstücke für seinen Ring geben. Mit etwas Geduld sind jedoch bis zu 70 Goldstücke dafür zu bekommen…“

Der junge Mann eilte zu dem weisen Mann zurück und berichtete aufgeregt von dieser Antwort. Der Alte lächelte. „Setz dich und sieh, das ist auch die Antwort auf deine Frage: Du bist wie dieser Ring – ein Schmuckstück, kostbar und einzigartig. Und genau wie bei diesem Ring kann nicht jeder deinen wahren Wert erkennen. Nur ein Fachmann ist dazu in der Lage. Warum irrst du also durch dein Leben und erwartest, dass jeder x-Beliebige um deinen Wert weiß.“

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